Die Anti-KI-Wette

LEA-SOPHIE CRAMER & OLIVER ROSKOPF

Co-Founder, EPIX Sports

Epix Thumbnail

Run Clubs sind das neue Tinder. Das ist mittlerweile kein Hot Take mehr. Vor allem, wenn man Lea-Sophie Cramer und Oliver Roskopf fragt. Während die Welt gebannt auf künstliche Intelligenz blickt, setzen die beiden mit ihrem Start-Up EPIX Sports auf das, was AI nicht ersetzen kann: echte Begegnungen im analogen Raum. Auf der GMPLN-Stage erzählen uns die beiden, warum es jetzt mehr denn je auf Offline-Verbindungen ankommt und welche Probleme sie mit EPIX Sports konkret lösen wollen. ​​Das sind ihre besten GMPLN-Zitate.

Sport ist das, wo wir glauben, einen Beitrag leisten zu können.

Mit Amorelie und Zalando haben sowohl Cramer als auch Roskopf bereits milliardenschwere Unternehmen im Digitalbereich aufgebaut. Statt das nächste reine Tech-Startup zu launchen, richten sie ihren Fokus aber nun auf ein fundamentales Problem: Es gibt zu wenig zugängliche Sportinfrastruktur. Zu wenige Hallen, zu wenige Studios. Und vor allem zu wenig skalierbare Konzepte, um bestehende Angebote zu vergrößern. In Deutschland und europaweit. Das Resultat: Padel-Courts sind Wochen im Voraus ausgebucht, Boulderhallen arbeiten am Limit und Pilates-Studios führen Wartelisten. Oliver Roskopf ist der Meinung, dass es viele Gründer im Sportbereich gibt, die nur einen Schubs brauchen, um ihr Business größer zu machen. Das wiederum hat sich EPIX Sports auf die Fahne geschrieben.

Wir schauen uns stark wachsende oder sich stark verändernde Sportarten wie Pilates oder Padel an. Sportarten, die für zukünftige Generationen an Wert gewinnen. Die ins Leben integriert und zur Gewohnheit werden.

Ihr Lösungsansatz: ein "Operating System für Sport". EPIX Sports versteht sich als Betriebssystem für lokale Sportstätten und nutzt AI gezielt als Skalierungs-Hebel. So lässt sich das, was vor Ort zählt, nämlich echte Begegnung, überhaupt erst in zehn Städten gleichzeitig anbieten. Im Zentrum stehen dabei Sportarten mit starkem Wachstum, wie etwa Padel, Pilates, Bouldern oder Boxen im Frauenbereich. Entscheidend ist aber nicht der einmalige Hype, sondern das Potential, zu einer Gewohnheit zu werden. Sport soll Teil des Alltags werden, idealerweise mehrmals pro Woche. Der Schlüssel dazu liegt in zwei Faktoren: Nähe und Community. Erfolgreiche Standorte entstehen dort, wo Menschen dauerhaft leben. Nicht dort, wo Trends kurzfristig Aufmerksamkeit erzeugen.

Am Ende ist Community das Entscheidende, um etwas aufzubauen.

Gleichzeitig wird Community zum eigentlichen Produkt. In einer Zeit, in der klassische Vereinsstrukturen an Bedeutung verlieren, entstehen neue soziale Räume. Denn mehr denn je ist Sport heute identitätsstiftend. Man ist nicht einfach nur aktiv, sondern Teil einer Szene. Oder mit Cramers Worten: Die Einen sind eine “Pilates Maus". Die anderen ein “Hyrox Athlete". Wiederum andere sind in ihrer “Running Era.” Persönlicher Austausch macht das möglich und den will EPIX Sports bieten.

Wir brauchen Bereiche, wo wir spielen können und mit Menschen interagieren. Ein Platz, wo wir alle gleich sind.

Um diese Dynamik zu skalieren, verstehen sich die Gründer als Enabler. Mit ihren „EPIX Spaces“ schaffen sie physische Orte, die verschiedenen Sportanbietern ein Zuhause geben. Zehn Standorte bis 2032 sind das erklärte Ziel. Sie ermöglichen Zugang zu Flächen, die für einzelne Betreiber kaum erreichbar wären, und senken gleichzeitig die Einstiegshürden für Nutzer. Wer zum Padel kommt, entdeckt vielleicht nebenan Bouldern und probiert es beim nächsten Besuch aus. So entsteht ein niedrigschwelliger Zugang zu Bewegung.

Auch wirtschaftlich folgt das Modell einer klaren Logik: Während Tech-Unternehmen oft lange auf Profitabilität warten, sind viele Sportangebote von Beginn an tragfähig. Durch ein Netzwerk profitabler Betreiber wächst ein sportartübergreifendes Ökosystem, mit dem Ziel, das Vereinswesen neu zu denken und zugänglicher zu machen. Pay to play ist dem Fall das Stichwort. 

Mit Blick auf ihren Business Plan, der in einigen Jahren Hunderte Millionen Euro Umsatz ausweist, sind die Gründer laut eigenen Aussagen “on track”, um ihre Ziele zu erreichen. Der vielleicht wichtigste Antrieb hinter all dem ist jedoch gesellschaftlicher Natur.

Für mich war die Einsamkeits-Pandemie ein Antrieb. Einer von drei Menschen fühlt sich einsam. Dazu macht die Hälfte der Deutschen nicht genug Sport. Daran zu arbeiten ist extrem sinnstiftend.