Die Racket-Revolution
Genie Bouchard
Professional Pickleball Player & Wimbledon Finalist
Mehr als 35 Millionen Menschen weltweit spielen es bereits. 92 % kommen zurück, nachdem sie es einmal ausprobiert haben. In ganz Europa entstehen immer mehr neue Plätze. Und während Padel weltweit boomt, dominiert in den USA vor allem eine Sportart die Schlagzeilen: Pickleball. Der Hype ist offensichtlich, aber was wirklich dahintersteckt, verstehen die wenigsten. Eine, die es tut, ist Genie Bouchard. Die ehemalige Wimbledon-Finalistin, frühere Weltranglisten-Fünfte und einst “most marketable athlete in the world” hat auf der GMPLN-Stage über ihre persönliche “hype to heart” Geschichte gesprochen und was hinter dem rasanten Aufstieg von Pickleball steckt. Hier sind ihre besten GMPLN-Zitate.
Du kannst auf dieser Welt wenig wirklich kontrollieren, aber was du kontrollieren kannst, ist, wie sehr dich Negativität beeinflusst.
Ihr eigener Durchbruch kam damals fast überraschend. Genauso wie die enorme Aufmerksamkeit und der Hype, der darauf folgte. Doch Hype hat oft auch eine Kehrseite, wie Bouchard erzählte: „Am Anfang war alles sehr positiv. Aber als ich diesen Erfolg nicht direkt wiederholen konnte, wurde die Stimmung negativ. Die Erwartungen sind einfach gestiegen.“ Was folgte, war eine Lektion in Resilienz, die gerade in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie wichtiger denn je sei. Denn Athletinnen und Athleten sind längst nicht mehr nur Sportler. Sie sind auch Content Creator.
Ich habe den Hype genutzt, um Chancen zu schaffen. Ich habe einfach echte Dinge aus meinem Leben gepostet. Kein PR-Team, keine perfekt inszenierten Inhalte – einfach das Echte, Ungefilterte. Genau das schätzen die Fans.
Für Bouchard liegt der Schlüssel darin, beides authentisch zu verbinden. In den letzten Jahren haben sich die Spielregeln deutlich verändert. Vor zehn Jahren wurden Sportler oft kritisiert, wenn sie sich außerhalb ihres Sports positioniert haben. Heute werde es dagegen fast schon erwartet, dass sie eine eigene Marke aufbauen.
Man muss den Moment nutzen, solange er da ist. Die Karriere eines Athleten ist kurz.
Deshalb rät sie: präsent sein, Content teilen, sich zeigen. Es geht darum, eine Plattform aufzubauen und mit Menschen zu connecten, auch über den Sport hinaus. Genau dieser Wandel hilft dabei zu erklären, warum Pickleball gerade so durch die Decke geht. Für Bouchard sind vor allem zwei Faktoren entscheidend: „der soziale Aspekt und die niedrige Einstiegshürde.“
Pickleball schafft ein echtes Gemeinschaftsgefühl. Menschen brauchen diesen sozialen Austausch. Und genau das bietet der Sport.
Im Gegensatz zu Tennis, das man oft über Jahre erlernen muss, könne man Pickleball quasi sofort spielen. Gleichzeitig biete es etwas, das vielen Menschen heute fehlt: ein Gemeinschaftsgefühl.
Ich würde mir wünschen, dass Tennis moderner wird. Unterhaltsamer, schneller, attraktiver für ein jüngeres Publikum.
Trotzdem sieht sie Pickleball nicht als Ersatz für Tennis, sondern eher als Ergänzung. Als ein neues Mitglied in der Familie des Racketsports. Ähnlich wie Novak Djokovic ist sie aber auch, trotz möglicher Koexistenz der beiden Sportarten, der Meinung, dass Tennis eine Modernisierung gut vertragen könnte. Formate, Tempo und Inszenierung müssen sich anpassen. Vor allem an kürzere Aufmerksamkeitsspannen und veränderte Sehgewohnheiten. Nur so könne Tennis langfristig spannend bleiben und neue Fans gewinnen.
Auch Bouchard selbst denkt längst über den Sport hinaus, etwa durch Investments im Frauensport oder andere Businessmöglichkeiten. Sie steht für eine Generation von Athletinnen, die ihre Karriere neu definiert. Und vielleicht zeigt der Erfolg von Pickleball und die Entwicklung des Sports insgesamt, vor allem eines: Es geht nicht nur um Hype. Es geht um Zugänglichkeit, Gemeinschaft und gute Geschichten.
Oder anders gesagt: Es sind die Sportarten, bei denen die Menschen mitmachen wollen, die sich weiterentwickeln und wachsen. Ganz im Sinne von Genie Bouchard: „Ich kann nur jedem raten, neue Dinge auszuprobieren.“






