Wie Hollywood Teil der Formel 1 wurde

LIAM PARKER

Chief Communications and Corporate Relations Officer, Formula 1

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Jahrzehntelang galt die Formel 1 als elitär und ein Stück weit aus der Zeit gefallen. Dieses Bild hat sich inzwischen komplett gewandelt. In den letzten Jahren hat sich die Formel 1 zur am schnellsten wachsenden globalen Sportliga entwickelt und gilt heute als Paradebeispiel dafür, wie man mit der richtigen Content-Strategie einen Sport neu beleben kann.

Eine der zentralen Figuren hinter dieser Entwicklung ist Liam Parker, Chief Communications and Corporate Relations Officer der Formel 1. Auf der GMPLN Stage erklärt er, welche Entscheidung den größten Einfluss auf den Wandel hatte und wie ihn seine Erfahrungen in der Politik und bei der Bank of England auf seine Rolle in der F1 vorbereitet haben. Hier sind seine besten GMPLN-Zitate.

Wir müssen den Sport öffnen und den Menschen das Gefühl geben, Teil davon sein zu können. Er darf nicht einschüchternd wirken.

Seit der Übernahme durch Liberty Media im Jahr 2017 hat sich die Formel 1 grundlegend neu erfunden. Die Fangemeinde ist um rund 60 % gewachsen, und inzwischen sind etwa 42 % der Fans weiblich. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man sich die Ausgangslage anschaut. Die Formel 1 startete diesen Wandel praktisch bei null. Es gab weder eine echte Marketingabteilung noch eine funktionierende digitale Infrastruktur oder eine klare Kommunikationsstrategie. Der Wendepunkt kam, als eine zentrale Vision definiert wurde: den Sport zugänglicher machen.

Veränderungen können beängstigend sein, aber jedes Mal, wenn wir etwas verändert haben, hat es den Sport besser gemacht.

Für eine Sportart, die so stark von Exklusivität und Tradition geprägt ist, bedeutete das nichts weniger, als die eigene DNA grundlegend zu hinterfragen und Veränderungen bewusst anzunehmen. Der entscheidende Wachstumstreiber war laut Parker eine durchdachte Content-Strategie. Ein echter Meilenstein sei dabei natürlich die Zusammenarbeit mit Netflix und der enorme Erfolg von Drive to Survive gewesen. Die Serie hat die Formel 1 neu inszeniert: Plötzlich war sie nicht mehr nur Sport, sondern auch Entertainment. 

Wir konkurrieren um die Zeit der Menschen – in einer Welt voller Entertainment.

Um in diesem Wettbewerb zu bestehen, setzt die Formel 1 konsequent auf vielfältige Inhalte: Social Media, Kurzvideos, Behind-the-Scenes-Einblicke. Klassische Formate wie Pressekonferenzen traten in den Hintergrund. Eine der wirkungsvollsten Entscheidungen sei es dabei gewesen, Social Media konsequent zu öffnen und den Fahrern so eigene Plattformen zu ermöglichen.

Auf Social Media zu setzen war ein echter Gamechanger für unser Wachstum. Die Fahrer konnten sich eigene Reichweiten aufbauen und daraus ist ein ganzes Ökosystem entstanden.

Die Fahrer wurden zu Persönlichkeiten, vergleichbar mit Influencern. Viele Fans bauen heute zuerst eine Verbindung zu ihnen auf und finden erst danach zum Sport selbst. Dieser kulturelle Wandel zeigt sich auch bei den Marken, die heute Teil der Formel 1 sind. Partnerschaften mit Unternehmen wie LVMH, LEGO oder Disney seien vor zehn Jahren kaum vorstellbar gewesen. Heute sehen diese Marken vor allem eines: eine jüngere, vielfältige Zielgruppe und enormes Potenzial. „Das ist eine riesige Chance für Marken“, sagt Parker.

Dabei gehe es längst nicht mehr nur um klassisches Sponsoring, sondern um echte kulturelle Verbindungen. „Es braucht authentische Aktivierungen, keine konstruierten Gründe für eine Zusammenarbeit“, betont er.

Du brauchst eine klare Vision und eine starke Geschichte. Und du musst das Narrativ aktiv gestalten.

Dasselbe Prinzip zeige sich auch bei Medienpartnerschaften, etwa beim Deal mit Apple in den USA. Statt klassischem Broadcasting entstehen zunehmend integrierte Ökosysteme, die Technologie, Distribution und Storytelling miteinander verbinden. Am Ende lasse sich die Transformation der Formel 1 auf zwei zentrale Prinzipien herunterbrechen, die Parker aus der Politik mitgebracht hat: „Du brauchst eine klare Vision und eine starke Geschichte. Und du musst das Narrativ aktiv gestalten.“ Oder, wie er es formuliert: „You need to create the weather.“

Die Formel 1 hat sich neu erfunden. Aus einer Traditionsmarke ist ein globales Entertainment-Powerhouse geworden. „Wenn der Sport gut ist, die Persönlichkeiten unterhaltsam und die Rennen spannend sind, dann hast du das perfekte Produkt“, sagt Parker.

Und genau danach sieht es im Moment aus.